Der Sommer rückt näher und mit ihm erhöht sich die Pollenkonzentration in der Luft. Für uns ein guter Anlass, um dir zeigen, wie du mithilfe des NLP Allergien wieder in den Griff bekommst. Ein Allergen ist eine Substanz, die eigentlich harmlos ist, von unserem Körper jedoch fälschlicherweise als gefährlich einstuft wird, woraufhin er dieser mit Abwehrreaktionen begegnet. Laut dem Robert Koch Institut1 leiden mehr als 30 Prozent der Erwachsenen sowie 20 Prozent der Kinder im Laufe ihres Lebens an mindestens einer Allergie. Meist werden die Symptome mit Medikamenten oder alternativen Heilverfahren wie Akupunktur oder Homöopathie behandelt. Doch es gibt noch einen anderen Weg…
Zahlreiche Studien belegen, dass gerade das Immunsystem sehr positiv auf mentale Interventionen anspricht. Da Allergien eine überschießende Immunreaktion darstellen, liegt es nahe, hier mit NLP regulierend einzugreifen. Die Ansätze, die wir im NLP verfolgen können, um Allergien zu behandeln, sind vielfältig. Wir möchten dir in dieser zweiteiligen Artikelreihe zwei Möglichkeiten vorstellen: die Arbeit mit Submodalitäten und das NLP-Allergieformat.
Allergien heilen mit Submodalitäten
Submodalitäten sind die feinen Unterschiede in der Art und Weise, wie wir unsere Erfahrungen wahrnehmen und innerlich repräsentieren. Sie sind Untereigenschaften unserer fünf Sinne (Repräsentationssysteme) und dienen dazu, unsere Erfahrungen der Realität VAKOG zu kodieren: Visuell – Auditiv – Kinästhetisch – Olfaktorisch – Gustatorisch.
Submodalitäten kodieren demnach den Inhalt unserer Erfahrungen und Vorstellungen innerhalb unserer Repräsentationssysteme, d.h. ob etwas farbig oder schwarz/weiß, groß oder klein, scharf oder unscharf, laut oder leise, usw. repräsentiert wird.
Hierbei ist es wichtig zu verstehen, dass die submodale Kodierung, also die Art, wie die Inhalte unserer Erfahrungen abgespeichert werden, auch unsere Haltung zu diesen Dingen repräsentiert. Submodalitäten kodieren folglich auch, ob wir etwas als wahr, falsch, gesund, gefährlich, verwirrend, bedeutsam, irrelevant… bewerten. So haben Submodalitäten letztlich einen entscheidenden Einfluss auf unsere Emotionen, Sichtweisen und Wahlmöglichkeiten.
Und die Wirkung dieser Kodierung erstreckt sich sogar auf das Immunsystem. Das mag erstmal merkwürdig klingen, es funktioniert aber! Die Arbeit mit Submodalitäten ist äußerst wirkungsvoll und daher ein wesentlicher Bestandteil vieler NLP-Formate. Themen wie Glaubenssatzarbeit, Lernen, Gesundheit, Kreativität und Motivation lassen sich sehr gut mit einer gezielten Veränderung der Submodalitäten bearbeiten.
Die Arbeit mit Submodalitäten zur Linderung von Allergien besteht im Wesentlichen darin, die Submodalitäten der Repräsentation einer unschädlichen Substanz auf die Repräsentation der vermeintlich gefährlichen Substanz (Allergen) zu übertragen. Dies führt dazu, dass die Kodierung des Allergens auf „unschädlich“ geändert wird, was schließlich auch eine veränderte Reaktion des Immunsystems zur Folge hat.
Wie du Allergien mithilfe der Submodalitätenarbeit bei dir oder deinen Klienten behandeln kannst, möchten wir dir anhand des folgenden NLP-Formats veranschaulichen.
Submodalitäten Mapping Across bei Allergien
Dieses Format wird im NLP verwendet, um die Submodalitäten einer ressourcevollen Repräsentation auf eine andere, als problematisch empfundene Repräsentation zu übertragen – und so das ursprüngliche Problem oder Thema positiv zu verändern beziehungsweise aufzulösen.
Bevor wir das Submodalitäten Mapping Across durchführen, ist es hilfreich zunächst einen Bodenanker für das Allergen auszulegen sowie einen für die harmlose Substanz. Dies erleichtert dir oder deinen Klienten zwischen den verschiedenen Repräsentationen zu unterscheiden.
1. Repräsentation der harmlosen Substanz mit Herausarbeitung der relevanten Submodalitäten
Stelle dich auf den entsprechenden Bodenanker: „Welche Substanz gibt es, die dem Allergen ähnlich ist, auf die du jedoch nicht allergisch reagierst?“
Wenn du zum Beispiel allergisch auf Gräserpollen reagierst, könnten dies zum Beispiel die Blütenpollen von Kirschblüten sein oder von anderen Blumen, die bei dir eine positive Assoziation hervorrufen.
Arbeite nun die relevanten Submodalitäten der Repräsentation dieser Substanz heraus: Was siehst und hörst du, wenn du dir diese Substanz (z.B. Kirschblüte) vor deinem inneren Auge vorstellst? Einige mögliche Submodalitäten, die beschrieben werden können, findest du hier in unserem NLP-Glossar.
Wenn bei den visuellen und auditiven Submodalitäten bereits viel auftaucht, können die kinästhetischen Submodalitäten auch entfallen.
2. Repräsentation des Allergens
„Stelle dich nun auf den Bodenanker für das Allergen: Was siehst, hörst (und fühlst) du jetzt? Geh soweit rein, dass du die allergische Reaktion leicht wahrnehmen kannst.“ Vielleicht spürst du ein leichtes Kratzen im Hals, oder ein Grummeln im Bauch, vielleicht wird dir auch warm oder du fühlst dich einfach unwohl. Achte hierbei darauf, nicht zu tief reinzugehen. An dieser Stelle möchten wir nur testen, ob die Allergenrepräsentation für die weitere Submodalitätenarbeit geeignet ist. Sollte sich hier keine Reaktion zeigen, ist das Allergen möglicherweise ungeeignet.
Du kannst nun, musst aber nicht, die Submodalitäten der Allergenrepräsentation herausarbeiten, um die Unterschiede in der Codierung zu finden. Sollten nämlich keine auftreten, bemerkst du sofort, dass ihr noch nicht auf der richtigen Spur seid. Außerdem kannst du anhand der Unterschiede eine Anti-Allergiekodierung für diesen Menschen finden, die ihr dann auch auf andere allergische Reaktionen der Person übertragen könnt.
3. Übertragung der Submodalitäten von der harmlosen Substanz auf das Allergen
Lasse den Klienten weiterhin die Repräsentation des Allergens wahrnehmen und übertrage nun zügig unter deiner Anleitung die Submodalitäten der harmlosen Substanz auf die Repräsentation des Allergens. Hierfür kannst du zurück auf den Bodenanker der harmlosen Substanz gehen und die einzelnen „harmlosen“ Submodalitäten noch einmal benennen. Am Beispiel: „Die schwarz-weißen Gräserpollen sind weich, glatt und hell und ruhen weit weg von dir auf dem Boden.“ Verändere hierbei nicht den Inhalt, sondern übertrage nur die Submodalitäten.
4. Test
Um herauszufinden, wie sich die Wahrnehmung des Allergens verändert hat, schließen wir das Format mit einem Test ab: „Wie fühlst du dich jetzt, wenn du an das Allergen denkst?“
Hier können auch Skalenfragen hilfreich sein, um den Unterschied zwischen vorher und nachher zu markieren: „Auf einer Skala von 1 bis 10, wie fühlst du dich jetzt, wenn du an das Allergen denkst?“ Beachte, dass diese Frage dann auch zu Beginn des Formats gestellt werden sollte.
Im nächsten Artikel beschäftigen wir uns mit dem NLP-Allergieformat von Robert Dilts und zeigen dir, wie du mit Hilfe der Ankertechnik Re-Anchoring Allergien auflösen kannst.
Wenn du mehr über Submodalitätenarbeit erfahren möchtest und erleben willst, welche wirkungsvollen Veränderung noch mit NLP möglich sind, könnte unsere Ausbildung zum NLP-Practitioner das Richtige für dich sein.
Quellen:
Robert Koch-Institut, Studie DEGS1 (2013): Themenschwerpunkt Allergien und atopische Erkrankungen.
In unserem ersten Beitrag unserer Artikelreihe zum Thema Allergien (Teil 1) ging es um das Auflösen von Allergien mithilfe von Submodalitätenarbeit. In diesem zweiten Teil erfährst du, wie du mit einer ganz anderen Herangehensweise, dem NLP-Allergieformat, Allergien heilen kannst.
Robert Dilts ließ sich von einer Metapher des Immunologen und Genetikers Michael Levi zur Entwicklung des Allergie-Prozesses inspirieren. Dabei verglich Levi Allergien mit einer Art Phobie des Immunsystems. Diese Metapher stimmte mit vielen Beobachtungen überein, die Robert Dilts gemacht hatte:
Allergien können desensibilisiert werden.
Menschen können aus Allergien „herauswachsen“.
Nach einer Veränderungsarbeit können Allergien verschwinden.
Allergische Symptome können durch Schlaf oder Ablenkung beeinflusst werden.
Robert Dilts kam zu dem Schluss, dass bei der Behandlung von Allergien möglicherweise dieselben Prinzipien angewendet werden können, wie bei der Therapie von Phobien. Das daraus entstandene Allergieformat ist im Kern ein durch ein Reframing vorbereitetes Re-Anchoring.
Laut Robert Dilts führt diese Methode in etwa 80 % der Fälle, in denen das Allergen eindeutig identifiziert werden kann (z.B. Katzenhaare, Birkenpollen oder Milch), zu einer deutlichen Verbesserung oder vollständigen Heilung. Etwas schwieriger wird die Anwendung bei unklaren Allergenen wie Heuschnupfen, wenn das Allergen nicht bekannt ist.
Ablauf des NLP-Allergie-Prozesses
Im Folgenden möchten wir dir den Ablauf des Allergieformats nach Robert Dilts vorstellen.
Preframe: Allergie als Fehler des Immunsystems
Setze zunächst einen förderlichen Preframe, einen Rahmen, der deinen Klienten in einen positiven Erwartungszustand versetzt und mögliche Einwände vorwegnimmt. Kläre den Klienten über die wichtigsten Punkte einer allergischen Reaktion auf, z.B.:
„Allergien sind im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass das Immunsystem einen Fehler macht. Wenn das Immunsystem gut funktioniert, identifiziert es wirklich gefährliche Substanzen und reagiert so auf diese, dass der Körper geschützt wird. Auf diese Art und Weise schützt das Immunsystem den Körper vor schädlichen Bakterien und Viren.“
„Manchmal irrt sich das Immunsystem und identifiziert harmlose Stoffe, beispielsweise Lebensmittel, Pollen, Staub oder einen Bienenstich als gefährlich. Wenn das Immunsystem eine harmlose Sache als gefährlich identifiziert, dann haben Menschen eine Allergie. Das Immunsystem macht einen Fehler. Und wenn jemand einen Fehler macht, dann ist das Vernünftigste, die Sache aufzuklären. Und das wollen wir machen.“
„Wir werden dein Immunsystem umschulen, sodass es lernt, angemessen (auf das Allergen) zu reagieren. Es geht darum, deinem Immunsystem mitzuteilen, dass dieser Stoff kein Anlass zur Sorge ist.“
„Wenn das Immunsystem weiß, dass das Allergen harmlos ist, wirst du tatsächlich viel geschützter sein, weil die allergische Reaktion nicht auftreten wird. Dein Immunsystem wird in der Lage sein, so wie bei allen harmlosen Sachen zu reagieren.“
Öko-Check
Auch bei diesem Format ist es für den Erfolg wichtig, den möglichen verdeckten Gewinn der Allergie zu berücksichtigen. Eine Katzenhaarallergie kann auch deshalb auftreten, weil sie eine gute Begründung dafür ist, dass man eine bestimmte Person nicht besuchen muss.
„Wenn du diese allergische Reaktion nicht hättest, was würde das für dein Leben bedeuten, welche Folgen hätte das innerhalb deiner Familie, dem Freundeskreis oder in deinem Berufsleben?“
Auftauchende Symptom-Gewinne, werden zuerst gelöst, z.B. durch Reframing.
Auf die allergische Reaktion kalibrieren
Zuerst verbindet sich der Klient kurz mit dem Allergen und der hervorgerufenen Reaktion, um sich darauf zu kalibrieren.
„Denke an eine Situation, in der du Kontakt mit dem Allergen hast. Wie reagierst du darauf?“
Die allergische Reaktion sollte hier leicht wahrnehmbar sein, jedoch nicht verstärkt werden. Anschließend führt der Coach einen Separator durch, um den Klienten wieder in einen normalen Zustand zu führen.
„OK! Komm wieder hierher zurück, schau mich an, höre mir zu und fühle, wie dein Körper in den normalen Zustand zurückgeht.“
Gegenbeispiel-Ressource finden und ankern
Ähnlich wie beim Submodalitäten Mapping Across (s. Teil 1 der Beitragsreihe), ist es hier wichtig, eine möglichst ähnliche Substanz zu finden, die keine Allergie auslöst.
„Denke an etwas, was dem Allergen ähnlich ist, worauf die Allergie aber nicht eintritt, weil dein Immunsystem das richtig als eine ungefährliche Sache erkennt. Geh zurück in eine Situation, in der du im Kontakt mit dieser ähnlichen Substanz bist und dein Körper ganz normal reagiert.“
„Während du diese Situation wieder erlebst, kannst du dir klarwerden, dass dein Immunsystem genau weiß, wie es auf diese Substanz angemessen reagiert. Achte darauf, wie das ist!“
Dieser Zustand sollte assoziiert erlebt werden, z.B. mithilfe einer VAK(OG)-Trance. Anschließend wird diese Ressource geankert.
Dissoziieren
Halte den Anker weiter und dissoziiere den Klienten nun von seiner Ressource-Trance:
„Stelle dir jetzt eine Plexiglasscheibe vor, die durch den ganzen Raum läuft. Vom Boden bis zur Decke. Du bist völlig sicher und geschützt vor allem, was auf der anderen Seite auftaucht. Und du kannst dich selbst nun auf der anderen Seite der Scheibe sehen, wie [Name des Klienten] dort drüben auf diese ungefährliche Sache reagiert, wie das Immunsystem angemessen und normal arbeitet.“
Allergen langsam einführen
Halte den Anker weiter und führe nun das Allergen ein, während der Klient sich weiterhin dissoziiert erlebt.
„Und jetzt kannst du zuschauen und beobachten, wie [Name des Klienten] dort drüben zuerst ganz wenig und dann immer mehr in Kontakt mit dem Allergen, das ihm früher Probleme gemacht hat, kommt. Jetzt aber nimmst du wahr, wie [Name der Person] angemessen reagiert, auf genau dieselbe Art und Weise auf das Allergen reagiert, wie auf die ungefährliche Sache. Du kannst beobachten, wie das Immunsystem jetzt, da es weiß, dass auch das Allergen eine völlig ungefährliche Sache ist, genau weiß, was es zu tun hat und wie es normal und angemessen arbeitet.“
Reassoziieren
Halte den Anker weiter, während du den Klienten anleitest, sich wieder mit sich selbst zu verbinden.
„Nun kannst du [Name des Klienten] von dort drüben durch die Plexiglasscheibe zurückholen und dich mit ihr/ihm wieder vereinen.“
Test mit Anker & Future Pace & Test ohne Anker
Halte noch immer den Anker und führe folgende Tests durch:
„Stell dir vor, der Reiz, auf den du allergisch reagierst, würde jetzt hier auf dich einwirken. Und dein Immunsystem weiß immer noch, wie es darauf angemessen reagieren kann. Wie fühlst du dich?“
„Stelle dir jetzt eine Situation in der Zukunft vor, in der du wieder mit dem Allergen in Kontakt kommst und lasse dein Immunsystem besonders aufmerksam sein. Es weiß, was die angemessene Reaktion ist, wenn du in dieser Situation bist. Wie fühlst du dich?“
Lasse nun den Anker los.
„Und jetzt stell dir noch einmal vor, wie du in der Zukunft nach einem Kontakt mit dem Allergen reagierst.“
Fazit:
In unserer Artikelreihe zum Thema Allergien haben wir dir zwei NLP-Formate vorgestellt, mit denen du allergische Reaktionen wirksam auflösen kannst: die Arbeit mit Submodalitäten und das NLP-Allergieformat.
Doch NLP bietet noch viele weitere Möglichkeiten, um Allergien und verwandte Themen wie zum Beispiel Gesundheit, Gewohnheiten, Motivation erfolgreich bearbeiten und persönliche Ziele erreichen zu können.
Du möchtest noch mehr wirksame NLP-Formate und -Techniken kennenlernen und sicher anwenden können? In unseren NLP-Ausbildungen lernst du verschiedene Ankertechniken kennen, mit denen du Veränderungen tiefgehend verankern kannst. Du lernst, wie Reframing funktioniert, wie du Klienten in eine angenehme VAKOG-Trance führst oder wie du deine Coaching-Sitzungen mithilfe des Coaching-Rahmens erfolgreich strukturierst. Und vieles mehr!
In unserer Artikelreihe über den Placebo-Effekt haben wir vor einigen Monaten darüber geschrieben, wie Erwartungen unsere Gesundheit beeinflussen und den Heilungsprozess bestärken. Zur Erinnerung: Unter dem Placebo-Effekt versteht man alle positiven psychischen und physischen Reaktionen, die nicht auf die spezifische Wirksamkeit einer Behandlung (oder Substanz) zurückzuführen sind, sondern auf die bewusste oder unbewusste Wirksamkeitserwartung an die Behandlung (oder Substanz). Außerdem haben wir verschiedene Anwendungsmöglichkeiten von Placebos in Coaching und Psychotherapie vorgestellt.
Anlass für einen weiteren Artikel zum Thema Placebos ist für uns eine aktuelle Metastudie zur Wirkung von Antidepressiva im Vergleich zu Placebos bei Depressionen, die von Forschern aus dem Cochrane-Netzwerk durchgeführt wurde.
Cochrane ist ein internationales Netzwerk, das sich das Ziel gesetzt hat, die wissenschaftlichen Grundlagen für Entscheidungen im Gesundheitssystem zu verbessern.1 Um dieses Ziel zu erreichen, werden von den Cochrane-Forschern, zahlreiche Metastudien erstellt und ausgewertet. Metastudien, wie die in diesem Artikel vorgestellten, fassen die Ergebnisse einzelner Forschungsarbeiten in Bezug auf bestimmte Fragestellungen systematisch zusammen. Dadurch ergibt sich ein repräsentativeres Bild, denn durch die Betrachtung vieler Studien wird die Stichprobe größer und Ergebnisverzerrungen und Designfehler einzelner Studien werden reduziert.
Antidepressiva sind ein gutes Geschäft
Antidepressiva sind die weltweit am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka. Nach dem Arzneiverordnungsreport 2018 hat sich die Anzahl der Verschreibungen von Antidepressiva in Deutschland in den letzten 10 Jahren verdoppelt. So wurden 2017 allein den gesetzlich Versicherten 1,5 Mrd. Tagesdosen (!) Antidepressiva verordnet.2
Wirkung von Antidepressiva fraglich
Die Wirkung und der Nutzen von Antidepressiva sind häufig Gegenstand von Diskussionen und Kritik. Dabei steht immer wieder die Frage im Raum, wie wirksam Antidepressiva im Vergleich zu Placebos sind.
2018 untersuchten Forscher der Universität in Oxford im Rahmen einer Metaanalyse über 522 Studien (116.477 Teilnehmer) zur Wirksamkeit von Antidepressiva und kamen zu dem Ergebnis, dass 21 Antidepressiva besser wirken als Placebo.3 Die Ergebnisse dieser Metastudie wurden jedoch kontrovers diskutiert, u. a. dahingehend, dass sie methodische Mängel und Limitierungen aufweisen würde, die entweder nicht erkannt oder unterschätzt worden sind und darüber hinaus keine klare Aussage über die Höhe der Wirksamkeitsdifferenz gemacht werden könne.
Diese Ergebnisse der Oxfortstudie wurden 2019 von Forschern aus dem Cochrane-Netzwerk überprüft, jedoch bereinigt um die bekannten Mängel der ersten Studie. Insgesamt zeigen diese neuesten Studienergebnisse, dass die Wirkung von Antidepressiva unklar ist und dass diese, wenn überhaupt, nur minimal besser abschneiden als Placebos.4
In diese Metastudie wurden auch unveröffentlichte Studien miteinbezogen. Ein interessanter Aspekt dabei war, dass die Effektstärke von Antidepressiva in veröffentlichten Studien höher war, als in unveröffentlichten Studien. Ein großes Problem von Antidepressivastudien besteht darin, dass es meist darum geht, einen möglichst signifikanten Effekt der Medikamente festzustellen. Studien, die zu einem anderen Ergebnis kommen, werden oft nicht veröffentlicht.
Gerade unter dem Gesichtspunkt der hohen Anzahlen an Verschreibungen und Einsatzgebiete von Antidepressiva (u. a. auch bei Schlafstörungen, Angststörungen und Migräne) sind diese Ergebnisse ernüchternd. Darüber hinaus ist wichtig zu verstehen, dass Antidepressiva keine Depressionen heilen, denn sie lösen weder psychische noch soziale Probleme.
Andere Therapien oft wirksamer
Es gibt zudem eine Vielzahl an nichtmedikamentösen Hilfen, Interventionen und Therapien, deren Wirksamkeit belegt ist. Diese haben häufig weniger Nebenwirkungen, binden den Patienten aktiv mit ein und sind nicht allein auf Symptomreduktion ausgerichtet, sondern auf Heilung. Dazu zählen Psychotherapie, Sporttherapien, Musiktherapie und Kunsttherapie.5
1,5 Mrd. Placebos pro Jahr
Wie eingangs beschrieben, basiert die Wirkung von Placebos auf der Wirksamkeitserwartung des Patienten. Was der Patient erwartet und glaubt, hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Genesungsprozess. Es ist die bewusste oder unbewusste Hoffnung, die Menschen dazu veranlasst, zu heilen oder sich zu verändern.
Die Studie aus dem Cochrane Netzwerk ist ein weiteres Indiz für den gewinnbringenden Einsatz von Placebos in Coaching und Therapie – denn möglicherweise werden Placebos bereits mit 1,5 Mrd. Tagesdosen pro Jahr an gesetzlich versicherten Personen in Deutschland verabreicht.
Dies ist der dritte Teil unserer Artikelreihe über Placebos (Teil I und Teil II). Diesmal betrachten wir einen besonders merkwürdigen, im Grunde aber nur konsequenten Aspekt der Wirkung wirkstofffreier Stoffe oder Methoden: ihre Nebenwirkungen. Placebos können, genau wie „echte“ Medikamente oder Therapien, schädliche Nebenwirkungen entwickeln, vor allem wenn Menschen dies erwarten – das nennt man den Nocebo-Effekt. Anders gesagt, wenn der Placeboeffekt der erwartete Nutzen von etwas ist, ist der Nocebo-Effekt, der sich manifestierende erwartete Schaden. Wir würden über den Nocebo nicht schreiben, wenn er nicht an so vielen Stellen anzutreffen wäre.
Das andere Placebo
Nocebo bedeutet übersetzt so viel wie: „Ich werde schaden“. Es bezeichnet die negativen Effekte einer Therapie, die nicht durch die direkte Wirkung eines aktiven Arzneistoffes auf den Körper oder andere behandlungsspezifische Bedingungen hervorgerufen werden. Der Noceboeffekt kann zur Entstehung eines negativen Symptoms oder zur Verhinderung einer Symptomverbesserung führen.
Viele Voodoo-Praktiken, bei denen andere glauben, sie wären durch einen Fluch zum Tode verurteilt, gehen in die Richtung Nocebo. Es wird hier oft beschrieben, wie der Todgeweihte gesund und kräftig war und sich innerhalb von Stunden schwach und sterbenselend fühlt – in vielen Fällen mit Todesfolge1. Allein durch die Erwartung schlimmer Ereignisse. Ähnliche Effekte können wir bei pessimistischen oder ängstlichen Menschen finden, Heilungsprozesse verlaufen, aufgrund negativer Erwartungen, langsamer oder kommen gar nicht in Gange oder Menschen sterben nach Fehldiagnosen.
Placebos mit Noceboeffekt
Eine neue Überprüfung der Daten von 250.726 Versuchsteilnehmern2 ergab, dass jeder zwanzigste, der im Rahmen von Studien Placebos erhielt, wegen schwerwiegender Nebenwirkungen abbrach. Fast die Hälfte der Teilnehmer berichtete von weniger schwerwiegenden unerwünschten Nebenwirkungen. Die Nebenwirkungen reichten von Bauchschmerzen und Appetitverlust bis zu Magenbrennen, Brustschmerzen, Müdigkeit und sogar Tod. Diese Effekte waren zwar nicht alle Noceboeffekte, sondern auch falsche Zuordnungen von Symptomen, die ohnehin aufgetreten wären, doch ein nennenswerter Anteil verbleibt beim Nocebo. Es zeigte sich außerdem, dass das Auftreten negativer Effekte davon abhing, wie die Studienteilnehmer über die Nebenwirkungen informiert wurden.
Das ist nicht nur für Ärzte, sondern auch für Coaches und Therapeuten wichtig. Die Aufklärung über die Nebenwirkungen einer Intervention oder Psychotherapie kann eben diese Effekte hervorrufen. Hier ist es wichtig einen guten Weg zu finden, zwischen der Vorbereitung des Klienten, falls negative Effekte auftreten, und dem Aussprechen unheilvoller Suggestionen.
Angst ist ein schlechter Ratgeber
In den USA kostete der Nocebo-Effekt den Amerikaner Derek Adams beinahe das Leben. Nach einem heftigen Streit mit seiner Freundin nahm Adams, der Teilnehmer einer klinischen Studie zu Depression war, eine Überdosis eines Antidepressivums. Sein Zustand war nach der Überdosis kritisch und lebensgefährlich. Die Ärzte standen den Symptomen machtlos gegenüber. Sie kannten auch das Medikament nicht. Bevor es schlimmer wurde, konnten die Ärzte und der Patient allerdings aufgeklärt werden. Derek Adams war in der Placebo-Gruppe besagter Medikamenten-Studie. Demnach hatte er eine Übermenge eines Präparats ohne aktiven Wirkstoff zu sich genommen. Es hätte also gar nichts passieren dürfen. Allein die Erwartungshaltung durch die überdosierte Einnahme den Tod zu finden war so stark, dass sich sein körperlicher Zustand tatsächlich in diese Richtung bewegte. Nachdem der Fall aufgeklärt war, erholte sich Derek Adams binnen weniger Minuten.3
Wie man krank wird
Wenn du demnach ernsthaft krank werden willst, erkundige dich ausführlich und im Detail über die Nebenwirkungen eines verabreichten Medikaments. Warnt dein Arzt dich vor den Nebenwirkungen eines verabreichten Medikaments treten diese tatsächlich auch dreimal häufiger auf. Darüber hinaus nährt die Fähigkeit übertrieben Angst zu empfinden den Noceboeffekt.
Vor einigen Jahren fehlinterpretierte eine Patientin die Diagnose des Chefarztes in fataler Weise: Die Patientin hat eine Verengung der Herzklappe und muss dafür gelegentlich ins Krankenhaus. Eines Tages kommt der Chefarzt an ihrem Bett vorbei und spricht zu der ihm folgenden Gruppe: „Das hier ist ein klassischer Fall von „TS“.“ Die Bibliothekarin im Krankenbett interpretierte „TS“ mit „terminale Situation“ – demnach wäre sie dem Tode geweiht und würde bald sterben. Tatsächlich entwickelt sie Symptome – in ihren Lungen sammelt sich Flüssigkeit, sie konnte bald kaum noch atmen. Ein Assistenzarzt schafft es nicht sie aufzuklären: TS ist die Abkürzung für Trikuspidalklappenstenose, also der Fachbegriff für ihre Erkrankung. Als der Chefarzt wiederkommt, um die Patientin aufzuklären, ist sie bereits tot – gestorben an einer Wasserlunge.4
Krank durch nichtexistierenden Elektrosmog
Ein Experiment5 zeigte, dass ebenso mutmaßlicher Elektrosmog und Handystrahlung ernsthafte Symptome beim Menschen hervorrufen können. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Funkmast tatsächlich eingeschaltet ist oder nicht. Es reicht allein die Vorstellung an die negativen Folgen. Schlafforscher der Berliner Charité machten dazu ein Experiment: Sie installierten an einem Ort einen mobilen Sendemast und überwachten den Schlaf von knapp 400 Freiwilligen mithilfe von Sensoren. Die Probanden bewerteten zusätzlich die Qualität ihres Schlafes in einem Fragebogen. Ergebnis: Diejenigen, die sich schon zuvor besorgt über Elektrosmog geäußert hatten, schliefen nach dem Errichten des Sendemasts objektiv schlechter (später einschlafen, nachts häufiger aufwachen). Verschwiegen wurde: In fünf von zehn Nächten war der Sendemast gar nicht eingeschaltet. Elektrosmog machte also manche krank, selbst wenn er gar nicht da war.
Werden Nebenwirkungen erwartet oder dass sich die Symptome verschlechtern, senkt das unter anderem den Endorphin-Spiegel. Fehlen die Glückshormone kann das dazu führen, dass sich derjenige schlechter fühlt und schmerzempfindlich ist. Ebenso haben Hirnscans ergeben, dass schmerzverarbeitende Hirnregionen aktiviert werden. Das Gehirn spürt Schmerz – für den Betroffenen ist dieser Wirklichkeit.
Erforschung von Nocebo-Effekten ethisch schwierig
Der Nocebo-Effekt ist eine unbeabsichtigte negative Suggestion oder auch selbsterfüllende Prophezeiung. Ein Spezialfall, der auch dem Nocebo-Effekt zugeordnet wird: Der Patient verwendet ein Präparat, dass tatsächlich einen Wirkstoff enthält und entgegen aller Wahrscheinlichkeit verschlechtern sich die Symptome oder es treten unerwünschte Nebenwirkungen auf. Neben dem medizinischen Phänomen stellen Nocebo-Studien ein ethisches Problem dar und sind daher nur schwer zu vertreten. Immerhin muss man gesunden Patienten körperliche oder psychische Leiden zumuten. Für Ärzte ist das ein Dilemma: Sie sind gesetzlich verpflichtet ihre Patienten über Nebenwirkungen und mögliche Komplikationen von Behandlungen aufzuklären. Sie haben in ihrem Studium aber sehr wahrscheinlich auch den antiken Grundsatz „primum non nocere“, auf Deutsch „zuallererst einmal nicht schaden“ gelernt.6
Der dunklen Seite keinen Raum lassen
Schlechte Neuigkeiten fördern schlechte Physiologie. Etlichen Krebs-Patienten wird bereits Tage vor der Chemotherapie schlecht oder sie müssen sich auf dem Weg ins Krankenhaus erbrechen. Auch Räume, die die gleiche Farbe haben, wie die, in denen die Chemotherapie durchgeführt wurde, führten in einer Studie, vielfach zu Übelkeit.
Wenn alle Beteiligten, also Ärzte, Familie und der Kranke selbst fest daran glauben, dass die verbleibende Lebensdauer für den Krebspatienten nur noch wenige Monate beträgt, liegt der Verdacht nah, dass es zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung kommt. Manche Menschen sterben daher nicht an Krebs, sondern daran, dass sie glauben an Krebs zu sterben.7
Besonders ängstliche Menschen neigen dazu Aussagen des Arztes oder der Ärztin auf die Goldwaage zu legen. Der Nocebo-Effekt lässt sich verhindern, wenn die Kommunikation zwischen Arzt und Patient stimmt. Dabei sollten negative Vorstellungen bei Patienten vermieden werden („Sie sind ein Risikopatient“). Risiken können auch positiv formuliert werden. Statt zu sagen „Fünf Prozent der Patienten vertragen dieses Medikament nicht“, ist es besser zu sagen: „95 Prozent vertragen dieses Medikament sehr gut“. Steht im Beipackzettel eines Medikaments, dass eine Nebenwirkung nur „sehr selten“ auftritt, bedeutet dies, dass es in Vorstudien bei höchstens einer Person von 10.000 passiert ist. Eine Möglichkeit ist auch, den Patienten über den Nocebo-Effekt aufzuklären und ihm anzubieten, ihn deshalb nicht über Nebenwirkungen zu informieren. Das kann sogar der Gesundheit zuträglich sein, denn Menschen, die ausführlich über lästige aber ungefährliche Nebenwirkungen einer Behandlung aufgeklärt wurden, litten in der Folge auch häufiger unter genau jenen Nebenwirkungen. Das gilt vor allem für ungefährliche Konsequenzen – besteht die Gefahr am Steuer einzuschlafen, besteht Aufklärungspflicht.
Übrigens: Pharmafirmen sind dazu verpflichtet Nebenwirkungen im Beipackzettel aufzuführen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine von ihnen auftritt, ist zum Teil geringer als von einem Blitz getroffen zu werden. Manche Menschen nehmen sie aus Angst davor dennoch nicht ein.
In der buddhistischen Tradition spielt Dankbarkeit seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle auf dem Weg zum inneren Frieden. Nun rückt Dankbarkeit seit einigen Jahren auch immer in den Fokus der Wissenschaft. Das Wissenschaftszentrum der Berkeley Universität für Allgemeinwohl (Greater Good Science Center) erforscht das Thema seit 2001 und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Dankbarkeit zu den sechs Säulen des Glücks gehört.
Immer mehr Wissenschaftler wenden sich diesem Thema zu, um die positiven Auswirkungen dieser Haltung zu erforschen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Dankbare Menschen sind gesünder, besser gelaunt, stressresistenter, leistungsfähiger und zufriedener mit ihrem Leben und ihren sozialen Beziehungen.
Ein dankbares Herz ist ein gesünderes Herz
Prof. Paul J. Mills von der University of California, San Diego, hat untersucht, wie Dankbarkeit die Gesundheit von Herzpatienten verbessern kann. An der Studie nahmen 186 Männer und Frauen mit Herzinsuffizienz teil. Mithilfe von psychologischen Tests wurde der Grad der Dankbarkeit und des geistigen Wohlbefindens der Testpersonen festgestellt. Die ermittelten Werte verglich man mit dem psychischen Zustand, der Schlafqualität, der Müdigkeit, dem Glauben in sich selbst und den Entzündungswerten im Blut der Patienten. Es wurde festgestellt, dass je dankbarer die Patienten waren, ihre Laune umso fröhlicher und ihr Schlaf umso besser war. Außerdem stand eine größere Dankbarkeit im Zusammenhang mit höherem Selbstvertrauen und reduzierten Entzündungswerten.
Im nächsten Schritt wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe wurde gebeten, ein Dankbarkeitstagebuch zu schreiben. In Dankbarkeitstagebüchern – die manchmal auch als Glückstagebücherbuch bezeichnet werden – werden vom Schreibenden nur positive Dinge notiert. Die Patienten aus der ersten Gruppe haben acht Wochen lang täglich drei Dinge aufgeschrieben, für die sie sich dankbar fühlten. Die zweite Gruppe führte kein Tagebuch.
„Wir stellten fest, dass bei jenen Patienten, die täglich in ihr Dankbarkeitstagebuch schrieben, gleich mehrere Entzündungswerte sanken. Gleichzeitig erhöhte sich die Herzfrequenzvariabilität, was mit einem reduzierten Infarktrisiko gleichzusetzen ist“, erklärte Prof. Mills.
Dankbarkeit statt Antidepressiva
Dankbarkeit kurbelt die Produktion von Dopamin und Serotonin an, die im Volksmund auch als „Glückshormone“ bezeichnet werden. Dopamin ist für unsere Antriebsteigerung und Motivation zuständig. Serotonin reguliert im Herz-Kreislauf-System die Spannung der Blutgefäße. Psychisch ist Serotonin ein natürlicher Stimmungsaufheller. Es gibt uns das Gefühl der Gelassenheit, innerer Ruhe und Zufriedenheit. Es sorgt unter anderem dafür, dass wir ausgeschlafen sind und unseren gesunden Appetit behalten.
Dankbarkeit ist eine Sache der Übung
Eine weitere erfolgreiche Dankbarkeitsübung ist das Schreiben und Überbringen von Dankesbriefen. Die Wissenschaftler der University of Indiana untersuchten 43 Personen, die wegen Angstgefühlen oder Depression nach Unterstützung suchten. Mit 22 von ihnen absolvierten die Forscher eine wöchentliche Sitzung, in der es um Dankbarkeit ging. Dabei sollten die Teilnehmer Dankesbriefe schreiben. Anschließend konnten die Probanden entscheiden, ob die Dankesbriefe an die entsprechenden Empfänger abgeschickt werden oder nicht. Die übrigen 21 Teilnehmer hatten keine Dankbarkeits-Sitzungen.
Drei Monate später machten die Wissenschaftler von allen Teilnehmern Gehirnscans. Während dessen wurde den Probanden erzählt, dass sie von einem wohlhabenden Spender Geld bekommen würden. Dieser würde nichts dafür verlangen, sich aber freuen, wenn sie zum Dank einen Teil davon an eine Wohltätigkeitsorganisation oder an eine andere Person spenden würden. Nach dem Test würden die Probanden den versprochenen Geldbetrag bekommen, abzüglich des Betrags, den sie spenden würden. Die Gehirnscans haben folgendes gezeigt: die Teilnehmer, die vorher die Dankesbriefe geschrieben hatten, zeigten signifikant stärkere Aktivitäten in den Gehirnbereichen, die die Forscher vorher mit Dankbarkeit in Zusammenhang gebracht hatten.
Im Bild sieht man die Gehirnaktivität während der Dankbarkeitsempfindung.
Gelb = positive Korrelation mit Dankbarkeitsempfindung (Schläfenlappen und präfrontaler Kortex).
Blau = negative Korrelation (vorderen Gyrus cinguli, Inselrinde und sekundärer somatosensorischen Kortex.
Das bedeutet, dass jeder Dankbarkeit trainieren kann. Und das Beste daran ist: Je dankbarer man sich fühlt, desto eher ist man bereit, etwas von der Dankbarkeit weiter zu geben. Und es müssen keine Geldspenden sein. Man kann einfach öfter dem Nachbar die Tür aufhalten oder sich bei dem Partner bedanken, dass er den Müll rausgebracht hat. Dankbaren Menschen fällt es nicht nur leichter sich bei den anderen zu bedanken, sondern auch um Unterstützung zu bitten. Menschen, die die Sprache der Dankbarkeit sprechen, haben oft ein besseres soziales Netz.
Dankbarkeitsübung mit Erbsen
Es ist also wichtig, sich in Dankbarkeit zu üben. Wie macht man das? Ein Dankbarkeitstagebuch oder Dankbarkeitsbriefe sind wunderbare Beispiele dafür. Es gibt zahlreiche sehr wirksame Dankbarkeitsübungen und ich möchte dir noch die Übung mit Erbsen oder Murmeln empfehlen.
Stecke jeden Morgen eine Handvoll Murmeln in die rechte Tasche deiner Jacke oder Hose. Und dann, während du durch den Tag gehst, achte auf die Momente, Personen, Dinge, die für dich wertvoll sind und nehmen innerlich wahr, dass du für sie dankbar bist. Für jedes leise Dankeschön wandert nun eine Erbse aus der rechten in die linke Tasche.
Abends dann, bevor du schlafen gehst, leere deine linke Tasche und gehe die Erbsen durch. Erinnere dich, Erbse für Erbse, an die Anlässe, wie die Erbse die Tasche wechselte. Das ist ein sehr schöner Abschluss des Tages und steigert Gesundheit und Wohlbefinden. Führe diese Übung mindestens ein paar Wochen hintereinander durch. Aber vor allem an den Tagen, an denen du mit dem linken Fuß aufgestanden bist, deine Haare wieder mal Ihre Unabhängigkeit feiern oder nichts nach Plan läuft. Diese Tage sind bestens für diese Übung geeignet.
Dankbarkeitsübung beim Zähneputzen
Wie macht man Dankbarkeit zu einer neuen Gewohnheit, wenn die Zeit für Tagebücher fehlt oder man keine Erbsen zur Hand hat?
Nimm dir beim Zähneputzen morgens und abends eine Minute Zeit, um die folgenden Fragen zu beantworten. „Für welche fünf Dinge bin ich im Moment dankbar?“ „Was ist mir in den letzten Tagen gut gelungen?“ Schon nach wenigen Tagen werden diese positiven Gedanken dir automatisch kommen, wenn du dich im Spiegel mit einer Zahnbürste im Mund siehst.
Und jetzt du…
Nun bleibt nur noch eins zu tun – die Kraftquelle der Dankbarkeit zum Sprudeln bringen. Dafür ist es wichtig etwas zu tun und vielleicht magst du ja eine der beschriebenen Übungen für eine gewisse Weile ausprobieren….
Die Vorteile für dich nochmal im Überblick
Ein stärkeres Immunsystem
Weniger Stress und erhöhte Resilienz
Ein gesünderes Herz
Mehr Motivation für deine Vorhaben und bessere Laune
Besserer Schlaf und mehr innere Ausgeglichenheit
Stärkeres soziales Netz
Und all das beginnt mit einer kleinen Gewohnheit.
Viel Erfolg und ein langes gesundes und ausgeglichenes Leben!
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