Miltonmodell-Sprachmuster in der Hypnose

Teil 2: Das Milton-Modell & Hypnose

Miltonmodell Teil 2
Im ersten Teil unserer Artikelreihe über das Miltonmodell hast du erfahren, was das Miltonmodell ist und welche Sprachmuster es umfasst. Daneben zählen zum Miltonmodell aber noch eine Reihe weiterer wertvoller Sprachmuster, die z. B. in der Hypnose verwendet werden. 

Wozu du diese einsetzen kannst? Mit den Sprachmustern aus  dem Milton-Modell kannst du Sprache nutzen, um bei anderen Trancen zu induzieren und zu halten. Wertvoll ist dies z. B. im Bereich Coaching & Therapie, wenn du gerade in der NLP-Ausbildung bist oder Coach werden möchtest. Die Muster ermöglichen dir, sehr effektiv mit dem Unterbewusstsein des anderen zu arbeiten.

Erickson nutzte die Sprachmuster in der Hypnose systematisch und auch häufig auf ungewöhnliche Weise. Diese Strukturen wurden zum ersten Mal von John Grinder und Richard Bandler in dem Buch „Patterns: Muster der hypnotischen Techniken" von Milton H. Erickson beschrieben.

In diesem Artikel findest du die Sprachmuster mit Beispielen.

1. Konjunktionen

Konjunktionen sind Wörter, die zwei Satzteile miteinander verbinden. Sie werden auch als Bindewörter, Fügewörter oder Kommawörter bezeichnet. Konjunktionen sind z. B. die Worte und, oder, denn, doch und sie verbinden Sätze zu einem fließenden Ganzen. Hier ein Beispiel:

„Du kannst nun die Augen schließen und dich ganz auf dein Atmen konzentrieren und vielleicht bemerkst du schon, wie du dich mit jedem Atemzug tiefer und tiefer entspannen kannst und dieses angenehme Gefühl der Ruhe und Entspannung …“

Konjunktionen unterstellen zum Teil auch Zusammenhänge (wie im folgenden Beispiel): 

Chemotherapie heilt Krebs und die Erde ist eine Scheibe.

Konjunktionen vermindern manchmal auch Widerstand, nämlich dann, wenn zwei Anweisungen mit einem „und“- verbunden sind:

Nimm einen tiefen Atemzug und setze dich entspannt hin!“, wird leichter angenommen als lediglich die Anweisung „Setze dich entspannt hin!“

2. Temporale Konjunktionen
Temporale Konjunktionen unterstellen einen zeitlichen Zusammenhang von etwas Beobachtbarem mit einer Anweisung. Zu dieser Art der Konjunktionen zählen z. B. die Worte während, wenn, danach, zuvor, anschließend, solange, seitdem, indem…

„Und während du meine Worte hörst, kannst du vielleicht schon spüren, wie du ganz leicht immer tiefer in Entspannung gehst.“

 „Möchtest du dich bequem hinsetzen, bevor du dich einfach entspannst...“

Während dein Atmen ganz langsam gleichmäßiger wird, kannst du meine Stimme immer weiter hören...“ 

3. Konjunktion: Je …, desto (umso)
Je ..., desto ist die stärkste Konjunktion für einen Ursache-Wirkungszusammenhang. 

„Und je stärker du versuchst, die Kontrolle zu behalten, desto leichter wirst du dich entspannen können …“ oder „Je länger du ruhig atmest, desto entspannter kannst du dich fühlen…“

4. Je … desto-Schleifen
Eine weitere Sonderform der Je..., desto Konjunktion. Hier ein Beispiel: 
Je tiefer du dich entspannst, umso besser fühlst du dich … und je besser du dich fühlst, umso tiefer entspannst du dich...“ 

5. Scheinalternativen
Scheinalternativen geben dem Zuhörer scheinbar eine Auswahl vor, wobei jede der Auswahlmöglichkeiten auf die gleiche/n Handlung/en hinausläuft. Mit dem Wort „oder“ ist die Vorannahme verbunden, dass eine von mehreren Alternativen verwirklicht wird:

„Es ist nicht wichtig, ob du zuerst einen tiefen Atemzug nimmst und dann die Augen schließt oder vielleicht lieber zuerst die Augen schließen möchtest und dann einen tiefen Atemzug nimmst, bevor du dich immer tiefer entspannst.“

6. Ordnungszahlen (Vorgangsreihenfolge)
Es geht darum, eine Reihenfolge zu etablieren, u.a. zur Induktion, Vertiefung oder Auflösen der Trance:

Fahrstuhl (10 – 9 … 1 … 9 - 10)

Durchgehen des Körpers (oben nach unten – oder umgekehrt)

Zählen (1 - 2 - 3 - 4 - …)

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7. Weichmacher
Weichmacher wie vielleicht und möglicherweise helfen dabei, die sprachlichen Angebote des Sprechers vage zu halten und die Aufmerksamkeit zu lenken, Ansichten oder Suggestionen anzubieten oder zu Taten zu ermuntern. Da der Zuhörende eine Wahl hat, wird gleichzeitig Widerstand vermieden: 

„Und vielleicht fühlt sich die linke Hand etwas wärmer oder kühler als die rechte Hand an, oder möglicherweise fühlt sich die rechte Hand wärmer oder kühler als die linke Hand an…“

Vielleicht magst du darüber nachdenken, was das für dich bedeuten könnte...“


8. Satzfragmente
Manche Satzfragmente ergeben für sich selbst keinen Sinn. Damit sie Sinn ergeben, fängt der andere an, eine Bedeutung zu finden. Satzfragmente kann man gut einsetzen, um eine Stimmung zu erzeugen.

Sommer… Sonne… Strand… Du liegst am Meer… spürst diese wundervolle Entspannung… Und ein tieferes Verstehen entsteht... es ist eine Freude…“


9. Eingebettete Fragen
Hierbei werden Fragen in eine komplexere Satzstruktur eingebunden. Es scheint z. B., als hätte der Sprecher nur seine Gedanken mitgeteilt, aber meist wird der Zuhörer die Frage innerlich für sich beantworten:

„Ich frage mich, ob du wohl jetzt so loslassen könntest, dass du nur in der Gegenwart wärst.“

„Und ich weiß nicht, ob du dir schon einmal die Frage gestellt hast: 'Woran genau würdest du erkennen, dass du wirklich erfolgreich bist', aber…“   


10. Eingebettete Befehle
Hier werden Befehle und Anweisungen in einen Satz eingebettet, als Beispiel: 

„Jetzt!“, „… tiefer und tiefer …“, „… mehr und mehr …“

„Manche Menschen sagen: ‚Lebe dein Leben!‘. Darüber kann man so oder so denken.“

„Und während du in diesem Sessel sitzt und meine Stimme hörst, … entspanne dich!“ 


11. Negationen und mehrfache Negationen
Negative Formulierungen sind für das Gehirn viel schwieriger zu verarbeiten und brauchen deshalb deutlich länger. Mehrfache Negationen beschäftigen den Verstand und lenken ab:

„Gehe nicht in Trance, bevor du es dir nicht bequem gemacht hast.“

„Oft bemerken Menschen gar nicht, wie ihr Bewusstsein eine Entspannung nicht mehr verhindert.“

„Das folgende wird nicht nur ohne nicht nachzudenken, umso besser wirken, es wird ….“


12. Konversationspostulate
Konversationspostulate sind Ja/Nein-Fragen, die normalerweise statt einer Antwort zu einer Handlung führen oder die Gedanken in eine bestimmte Richtung lenken: Kannst du jetzt einen tiefen Atemzug nehmen?“


13. Analoges Markieren
Man hebt bestimmte Teile des Satzes als Anweisung durch bestimmte nonverbale Verhaltensmuster hervor (z.B. Kopf heben, Stimmrichtung verändern, Stimmlage heben / senken, Räuspern, Kopfbewegungen etc.):
„Du kannst das ganz leicht (analog markieren, z.B. Stimme senken) verstehen.“


14. Ambiguitäten
 

Ambiguitäten sind Doppel oder Mehrdeutigkeiten. Ambiguitäten liegen vor, wenn Worte/Sätze (Oberflächenstruktur) mehr als eine Bedeutung haben können.

Patienten, die die Therapeuten hypnotisieren, gibt es häufiger als Therapeuten, die die Patienten heilen.”


15. Zitate & Stellvertreter
Man kann Zitate und Stellvertreter nutzen, um Aussagen zu machen, ohne für den Inhalt verantwortlich zu sein oder um diese durch Einbeziehen von Autoritäten zu verstärken:
„Bandler sagte mal: 'Man muss sich entscheiden, ob man den Bus selber fahren will oder lieber auf der Rückbank sitzt und Comics liest, während irgendein Verrückter vorn am Steuer sitzt!'“
„Mein Freund John stand einmal vor folgender Entscheidung, er hatte …“


16. Metaphern
Metaphern sind Geschichten, die auf einer unbewussten Ebene Lösungen und Veränderungen suggerieren oder kreieren. Da es nur eine Geschichte ist, wird Widerstand vermieden. Milton H. Erikson war ein Meister im Geschichten erzählen und durch sie Veränderungen zu bewirken:
„Verantwortung zu übernehmen, ist wie, wenn man die Comics beiseitelegt und sich ans Steuer setzt…“
„Einmal gingen zwei Mönche einen unwegsamen Pfad durch die Berge. Als sie an einen Fluss kamen


17. Punktuelle Grenzüberschreitung
Als punktuelle Grenzüberschreitung bezeichnet man eine Zuweisung einer Eigenschaft an jemanden oder etwas, der oder die diese Eigenschaft nicht besitzen kann. In einer Trance wird diese Art von Metaphern vom Unterbewusstsein verstanden:
Eine ernste Frage“ oder Ein weiser Baum“ oder „Eine lustige Quelle.“


In diesem zweiten Teil unserer Artikelreihe hast du nun weitere wertvolle Sprachmuster kennengelernt, die Milton H. Erickson in der Hypnose eingesetzt hat. Teste diese doch in einer nächsten Trance und berichte uns von deinen Erfahrungen. Im dritten und letzten Teil unserer Artikelreihe geht es an die Anwendung der Sprachmuster und du lernst die Sprachmuster-Matrix.

Wenn du lernen möchtest, wie du mit NLP, persönliche Hindernisse und Blockaden überwinden und ein selbstbestimmtes Leben leben kannst, ist eine NLP Ausbildung möglicherweise der richtige, nächste Schritt für dich. Sprich uns gern an – wir freuen uns, von dir zu hören.

 

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