23 Juni 2013

Positive Psychologie

Was macht glückliche Menschen glücklich?


Positive Psychologie1998 wurde Martin Seligman, damals Präsident des größten Psychologenverbandes der USA (APA), gefragt, in welchem Bereich er gerne forschen würde. Seine spontane Antwort war: "Positive Psychologie". Die Psychologie des 20sten Jahrhunderts hatte mit Hingabe Störungen und Seelenkrankheiten untersucht, katalogisiert und einige Ansätze zur Linderung entwickelt. Wie man auf einer Zustandsskala von -10 bis +10 von -8 auf -2 kommt war vielfältig erforscht. Was fehlte, war eine Disziplin, die sich damit beschäftigt, wie Menschen von +2 auf +5 kommen. Während die Arbeit klassischer Psychologie bei 0 endet, sollte dort die Arbeit der Positiven Psychologie beginnen.

Positive Psychologie

Martin Seligman wird als der Pionier der Positiven Psychologie betrachtet. Zielsetzung der Positiven Psychologie war zunächst eine Theorie über authentisches Glück zu entwickeln und herauszufinden, welche menschlichen Eigenschaften und Organisationsformen zum Glück beitragen.
Natürlich haben sich schon viele Menschen, Philosophen und Psychologen vor der Positiven Psychologie mit dem Thema Glück beschäftigt. Der Unterschied war, dass Martin Seligman durch und durch Forscher ist. Er wollte Glück erforschen. Er wusste, wie man an Fördermittel rankommt und setzte zahlreiche wissenschaftliche Studien auf. Diese wurden, wie es sich für eine aussagekräftige Forschung gehört, nach dem Prinzip der Randomisierung und Placebovergleichsgruppen durchgeführt.
Inzwischen forschen viele Gruppen und Wissenschaftler in diesem Feld und Positive Psychologie wird heute - vor allem in den USA - an vielen renommierten Universitäten gelehrt.



Die Theorie über authentisches Glück wird erweitert

Ursprünglich war das Ziel der Positiven Psychologie
  • eine Theorie für authentisches Glück zu entwickeln
  • herauszufinden, welche menschlichen Eigenschaften und 
  • Organisationsformen zum Glück beitragen
Zu Beginn wurden drei Hauptparameter für authentisches Glück ausfindig gemacht: Positive Emotionen, Wirksamkeit und Sinn.
Es zeigte sich aber, dass diese Parameter für eine umfassende Darstellung dessen, was Menschen erfüllt, nicht ausreichen. Außerdem wurde ein, im Deutschen etwas merkwürdig klingender Begriff gewählt, der besser ausdrücken sollte, worum es in der Positiven Psychologie ging. Dieser Begriff ist "Wohlbefinden".

Das Wohlbefinden sollte messbar gemacht werden, um spezifische Methoden entwickeln zu können, die Menschen dabei unterstützen, eben dieses Wohlbefinden in ihrem Leben zu vermehren. Dabei wird von der Annahme ausgegangen, dass Menschen umso mehr Wohlbefinden haben, je mehr sie "aufblühen" können. Fünf Parameter wurden hierfür ermittelt:

1. Positive Emotionen
Bei den positiven Emotionen geht es darum, dass man sich gut fühlt, mit dem, was man macht.

2. Wirksamkeit und Erfolg
Für Menschen ist es wichtig, sich als wirksam zu erleben. Haben wir dauerhaft keinen Erfolg mit dem, was wir tun oder hat unser Handeln keine Auswirkungen, verlieren wir die Lust und sind frustriert. Sogar BurnOut oder Depressionen können die Folge sein.

3. Sinn
Menschen, die einen Sinn in dem was sie tun gefunden haben oder sogar ihren Lebenssinn kennen, sind nicht nur glücklicher, sondern auch widerstandsfähiger gegen Schicksalsschläge.

4. Flow
Sich in dem, was man tut verlieren und ganz darin aufzugehen, bezeichnen wir als Flow. Während Menschen im Flow sind, haben sie meist kein Zeitgefühl und nehmen auch sich selbst kaum wahr. Sie sind ganz von der Tätigkeit, die sie tun, absorbiert.

5. Positive Beziehungen

Menschen brauchen Beziehungen. Je positiver, unterstützender und inspirierender diese sind, umso mehr können sie "erblühen".

Stärken stärken

Statt die "Defekte der Seelen" zu thematisieren, setzt die Positive Psychologie an den Stärken an. Sie fragt nicht: "Was ist falsch mit dir?", sondern sie fragt: "Was ist richtig mit dir?"
Menschen, die auf ihre Schwächen fokussieren und auf das, was sie nicht können, werden meistens nicht stärker sondern schwächer.
Diejenigen dagegen, die ihre Stärken kennen und einsetzen, sind widerstandsfähiger, glücklicher und erfolgreicher.
Daher ist ein Grundprinzip in der Positiven Psychologie: Stärken stärken! Um seine Stärken herauszufinden, kann der "Values in Action"-Test auf der Seite charakterstaerken.org hilfreich sein. Eine Übung zum Stärken stärken, findest du am Ende dieses Artikels.

Resilienz und Vorbeugung ist einfacher als heilen

Jeder kennt den Satz: "Vorbeugen ist einfacher als heilen!". Viele Versicherungen haben sich diesen Satz zu Eigen gemacht. Versuchen wir diesen Satz einmal wirklich zu verstehen.
Beim Auto wäre Vorbeugung z.B. der regelmäßige Ölwechsel. Heilung wird nötig, wenn es zum sogenannten Kolbenfresser kam. Das Osteoporoserisiko sinkt deutlich mit körperlicher Aktivität, leichter Sonnenbestrahlung der Haut und gesunder Ernährung (u.a. genug Kalzium). Das ist Vorbeugung. Heilung setzt an, wenn z.B. Wirbelkörper eingebrochen sind. Das ist dann deutlich schwieriger. Und, wer schon mal ein Burnout hatte, weil er nicht rechtzeitig für sich gesorgt hat, weiß wie langwierig und unangenehm der Weg der Heilung ist.

Was hat das aber mit Resilienz zu tun? Unter Resilienz versteht man die Widerstandsfähigkeit oder auch die Fähigkeit eines Menschen, mit Veränderungen umzugehen. Vor allem mit Rückschlägen, Schicksalsschlägen, Krankheit und Tod, aber auch mit positiven Herausforderungen.
Es hat sich gezeigt, dass Menschen, die ihre spezifischen Stärken kennen und leben, einen Sinn in ihrem Leben sehen, positive Beziehungen haben usw. wesentlich besser mit Veränderungen umgehen können. Je früher wir also beginnen, unsere Stärken zu kennen und zu leben, umso leistungsfähiger und resilienter sind wir. Am besten beginnen schon Eltern damit, die Stärken ihrer Kinder zu fördern, anstatt ihnen ihre Schwächen vorzuhalten. Menschen, die ihre Stärken kennen, haben einen Kern, auf den sie sich verlassen können und der ihnen Halt gibt. Selbstwert und Selbstbewusstsein hat viel mit dem Wissen um die eigenen Stärken zu tun.

3 Übungen die Leben verändern

Die Positive Psychologie verfügt über einen sehr großen Fundus von Übungen. Drei sehr wirksame Übungen möchte ich hier kurz vorstellen. Diese Übungen wurden mit vielen Menschen durchgeführt und mit Placebogruppen verglichen. Die Wirksamkeit der Übungen war noch 3 bis 6 Monate nach dem Ausführen nachweisbar (höheres Glücksempfinden, Rückgang von Depressivität).

1. Das Was-ist-gut-gelaufen Tagebuch
Die meisten Menschen haben eine präzise Wahrnehmung von dem, was in ihrem Leben schiefläuft  und sehen großzügig über das, was gut war, hinweg. Leider schwächt uns diese Haltung, statt uns zu stärken. Die Ausrichtung auf Negatives stärkt Angst, Mutlosigkeit und Depression. Die "Was-ist-gut-gelaufen Übung" dreht den Spieß um und stärkt uns durch den Fokus auf Erfolge. Es ist hierbei nicht entscheidend, wie groß die Erfolge waren.

Notiere dir 
  • mindestens eine Woche lang jeden Abend 
  • drei Dinge, die gut gelaufen sind
  • und schreibe auch dazu, warum sie gut gelaufen sind.
Möglicherweise ist die Übung zu Beginn etwas komisch. Sie wird dir allerdings kontinuierlich leichter fallen und vielleicht willst du sie auch längerfristig beibehalten.


2. Der Dankbarkeitsbesuch
Diese Übung wurde von einer Studentin von Martin Seligman erfunden und geht so:
Schließe deine Augen und denke an einen Menschen, der vielleicht schon vor Jahren, etwas getan oder gesagt hat, das einen wichtige positiven Einfluss auf dein Leben hatte. Jemanden, dem du nie richtig dafür gedankt hast, dem du aber in der nächsten Woche begegnen könntest. Hast du jemanden gefunden!?
Diesem Menschen schreibst du nun einen Dankbarkeitsbrief von etwa 300 Wörtern. Du schreibst ihm auf, wie viel dir das, was er damals getan oder gesagt hat, bedeutet. Und, du schickst den Brief nicht ab. Du triffst dich mit diesem Menschen und liest ihm deinen Brief vor. Er soll einfach nur zuhören. Dafür rufst du den Menschen an und verabredest dich mit ihm, ohne ihn von deinem Plan zu erzählen.
Lass dich von der Wirkung dieser kleinen Übung überraschen!


3. Signaturstärken-Zeit einplanen
Wenn du deine wichtigsten charakteristischen Stärken (Signaturstärken) kennst, vielleicht unter Zuhilfenahme des oben genannten Tests, plane dir in der nächsten Woche eine Zeit ein, deine Signaturstärken auf neue Weise auszuüben.
Es gibt diese Übung auch für Paare. Hierbei ermitteln beide ihre Signaturstärken und planen dann einen gemeinsamen Abend, in dem jeder seine Signaturstärken leben kann.

Martin Seligman über Positive Psychologie

Zum Abschluss noch ein englischsprachiges Interview, in dem Martin Seligman einen sehr guten Überblick über die Positive Psychologie gibt:


Kontakt

NLP-Zentrum Berlin
Uhlandstraße 85
10717 Berlin
Tel: 030 - 270 170 58
Mail: info@nlp-zentrum-berlin.de


Du findest uns auch auf:
NLP-Ausbildungen auf facebook NLP-Ausbildungen auf twitter

Qualitätssiegel

Bewertungen zu NLP-Zentrum Berlin Teilnehmerstimmern zum NLP-Zentrum Berlin