12 August 2019

Selbstempathie statt Selbstmitleid mit der Gewaltfreien Kommunikation

Wie GFK zu mehr Mitgefühl statt Mitleid mit sich selbst führen kann

GFK  Selbstmitgefühl statt Selbstmitleid

Die Gewaltfreie Kommunikation wird oft als Kommunikationsmodell in vier Schritten verstanden, in denen man lernt sein Gegenüber nicht zu verletzen und trotzdem seine Anliegen zu äußern. Doch das Modell der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) bietet sehr viel mehr, als nur eine Anleitung, wie man „gewaltfrei“ mit anderen sprechen kann.

Um einem Gegenüber Verständnis und Empathie entgegenbringen zu können, brauchen wir selbst erst einmal diese Form der empathischen Zuwendung. Selbstempathie hat allerdings nichts mit Selbstmitleid zu tun. Selbstmitleid schwächt, Selbstempathie stärkt.

Empathie im Sinne der GFK wertet nicht

Wenn ich mir selbst Empathie entgegenbringe, mache ich eine „Bestandsaufnahme“ meiner Situation, ohne sie als schrecklich oder missglückt zu werten – das wäre Selbstmitleid. Ich beobachte meine Situation und meine dazugehörigen Gedanken. Die Unterscheidung dessen, was meine Beobachtung und was meine Interpretation der Lage sind, kann schon dazu führen, dass ein Perspektivenwechsel möglich ist.

Im nächsten Schritt nehme ich meine Gefühle wahr, die in Zusammenhang mit meinen Gedanken zu der Situation auftauchen. Anfangs sind Gedanken meist sehr viel lauter als Gefühle und es tauchen Sätze auf, die mit „Ich fühle mich…“ anfangen und mit „missverstanden, ignoriert, nicht respektiert oder verarscht“ weitergehen – das scheinen zwar Gefühle zu sein, sind es aber im Sinne der GFK nicht.

Gefühle im Sinne der GFK involvieren keine Bewertung der Handlung anderer Menschen

Wenn ich also feststelle, dass solche Gedanken lauter sind, kann ich in meinen Körper hinein spüren und fühlen, wie sich diese Gedanken anfühlen. Vielleicht erzeugen sie Enge oder Druck, vielleicht aber auch Weichheit. Vielleicht stecken Gefühle wie Anspannung, Angst, Wut oder Trauer dahinter. Doch diese Gefühle wollen nichts Böses und sind veränderbar, wenn wir auf die dahinterliegenden Bedürfnisse schauen.

Gefühle als Hinweise für erfüllte oder unerfüllte Bedürfnisse

Wir haben bereits festgestellt, dass die Unterscheidung einer Beobachtung von einer Interpretation dazu führen kann, dass sich der Blickwinkel ändert. Genauso kann sich die Haltung zu den eigenen Gefühlen verändern, wenn wir diese als Hinweise auf eigene Bedürfnisse betrachten. Grundbedürfnisse wie Anerkennung, Zugehörigkeit, Vertrauen und Liebe teilen alle Menschen und wenn diese in einer bestimmten Situation nicht erfüllt sind, merken wir das dank unserer Gefühle. Diese Bedürfnisse sind Teil unseres menschlichen Wesens und wir haben sie alle gemeinsam, wir unterscheiden uns jedoch sehr, wenn es zu der Frage kommt, wie genau diese Bedürfnisse erfüllt werden sollten.

Die Art und Weise Bedürfnisse zu erfüllen, ist für jeden Menschen sehr unterschiedlich

Wenn wir also feststellen, welche Bedürfnisse hinter unseren Gefühlen stecken, dann haben wir eine größere Handlungsfreiheit. Bedürfnisse sind nie an eine bestimmte Person, eine bestimmte Handlung oder an einen bestimmten Ort gebunden. Sie sind durch vielfältigste Art und Weise erfüllbar. Das heißt, dass „eine Reise ans Meer mit meinem Partner“ kein Bedürfnis darstellt, sondern eine ganz spezielle Strategie, um Bedürfnisse wie Freiheit, Zweisamkeit und Entspannung zu erfüllen. Diese Bedürfnisse können aber auch durch diverse andere Tätigkeiten oder mit anderen Personen erfüllt werden, was den Handlungsspielraum sehr vergrößert.

Kommen wir zurück zu Selbstempathie und Selbstmitleid. Selbstmitleid ist, wie oben beschrieben, das Festhängen in den Interpretationen der eigenen Situation und die einseitige Bewertung der eigenen Lage. Selbstempathie dagegen ist ein Prozess, in welchem wir sehr ehrlich mit uns selbst sind und uns folgende Fragen stellen können:

  1. Was ist meine Situation? Wie klingt eine wertfreie Beobachtung meiner Lage?
  2. Was denke ich über mich und meine Situation? Wie interpretiere ich das Geschehen?
  3. Wie fühle ich mich dabei? Wo im Körper kann ich das spüren?
  4. Welche Bedürfnisse stecken hinter meinen Gefühlen? Was brauche ich jetzt?
  5. Welche Möglichkeiten habe ich, meine Bedürfnisse zu erfüllen? Welche Alternativen habe ich bisher vielleicht nicht bedacht?
Alternative Fragen: Was wünsche ich mir? Wenn das erfüllt wäre, welche meiner Bedürfnisse wären dann erfüllt? Erwarte ich von einer bestimmten Person all diese Bedürfnisse zu erfüllen? Wie kann ich Verantwortung für meine Gefühle und Bedürfnisse übernehmen?
Diese Fragen führen zu einem größeren Verständnis der eigenen Situation und erleichtern Lösungsfindungen. Lösungen ohne die Berücksichtigung der eigenen Gefühle und Bedürfnisse anzustreben führt oft zu unbefriedigenden Kompromissen. Beginnst du jedoch mit Selbstempathie bekommst du eine ehrliche Verbindung mit deinen eigenen inneren Prozessen und Motiven und somit auch deutlich erfüllendere Lösungen. Daher sollte Selbstempathie immer dein erster Schritt sein, ganz gleich, ob es um ein Gespräch mit Anderen oder einfach nur um dich selber geht.

Wenn du den Prozess der Selbstempathie tiefer kennenlernen und üben möchtest, findest du hier die nächsten Termine für unsere Einsteiger- sowie Vertiefungsseminare in die Gewaltfreie Kommunikation.

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